Backup und Disaster Recovery (BCP/DRP)
Grundlagen von Backup und Recovery
Backup und Disaster Recovery sind kritische Bestandteile jeder Cybersicherheitsstrategie. Angesichts der Zunahme von Ransomware-Angriffen und Katastrophen (natürlicher oder technischer Art) ist es unerlässlich, robuste Pläne für BCP (Business Continuity Planning) und DRP (Disaster Recovery Planning) zu haben.
RTO und RPO: Grundlegende Konzepte
RTO (Recovery Time Objective)
Definition: Maximal akzeptable Ausfallzeit nach einer Katastrophe
Beispiel: Ein RTO von 4 Stunden bedeutet, dass Systeme innerhalb von 4 h wiederhergestellt sein müssen
Auswirkung: Bestimmt die Dringlichkeit und die erforderliche Investition in Lösungen
RPO (Recovery Point Objective)
Definition: Maximale Datenmenge, die verloren gehen kann, gemessen in Zeit
Beispiel: Ein RPO von 1 Stunde bedeutet, dass Backups stündlich erfolgen müssen
Auswirkung: Bestimmt die Backup-Häufigkeit und die Replikationstechnologien
Kritikalitätsstufe:
- Tier 1 (Kritisch): RTO < 1h, RPO < 15min - Synchrone Replikation
- Tier 2 (Wichtig): RTO 4-8h, RPO 1h - Häufiges inkrementelles Backup
- Tier 3 (Normal): RTO 24h, RPO 24h - Tägliches Backup
3-2-1-Backup-Regel
Die Goldstandard-Strategie für den Datenschutz:
- 3 Drei Kopien der Daten: Produktion + 2 Backups
- 2 Zwei verschiedene Medientypen: Festplatte, Band, Cloud
- 1 Eine Off-Site-Kopie: geografisch getrennt
Moderne Weiterentwicklung: 3-2-1-1-0
+ 1 unveränderliche Kopie (ransomware-sicher)
+ 0 Fehler bei der Wiederherstellung (regelmäßige Tests)
Backup-Typen
1. Vollständiges Backup (Full)
- Vorteil: Einfache und schnelle Wiederherstellung
- Nachteil: Langsam, verbraucht viel Speicherplatz
- Einsatz: Wöchentlich oder monatlich als Baseline
2. Inkrementelles Backup
- Vorteil: Schnell, spart Speicherplatz
- Nachteil: Wiederherstellung erfordert das Full plus alle inkrementellen Backups
- Einsatz: Täglich oder stündlich zwischen den Fulls
3. Differenzielles Backup
- Vorteil: Einfachere Wiederherstellung als inkrementell
- Nachteil: Wächst bis zum nächsten Full
- Einsatz: Täglich, wenn die Einfachheit des Restore kritisch ist
4. Snapshot und Replikation
- Snapshots: Point-in-time-Kopien, sofortige Wiederherstellung
- Synchrone Replikation: Kein Datenverlust (RPO=0)
- Asynchrone Replikation: Geografisch verteilt
Technologien und Lösungen
On-Premises
- Veeam Backup & Replication: Führend für virtualisierte Umgebungen
- Commvault, Veritas NetBackup: Enterprise backup platforms
- Acronis Cyber Protect: Backup + integriertes Antimalware
- Dell EMC Data Domain: Deduplicated backup appliances
Cloud-Based
- AWS Backup: Zentralisiertes Backup für AWS-Dienste
- Azure Backup: Integriert mit Azure-Diensten
- Google Cloud Backup: Automatisierte GCP-Backups
- Druva, Backblaze B2: Cloud-native backup solutions
Datenbanken
- MySQL/PostgreSQL: pg_dump, mysqldump + point-in-time recovery
- MongoDB: mongodump, Ops Manager backup
- SQL Server: Native backup + Always On Availability Groups
- Oracle RMAN: Recovery Manager für Oracle-Umgebungen
Schutz vor Ransomware
Ransomware-sichere Backups:
- Unveränderlichkeit: Object lock (S3), WORM storage, immutable backups
- Air-gapping: Offline-Backups, vom Netzwerk getrennt
- Trennung der Anmeldedaten: Backup admins ≠ domain admins
- MFA: Multi-Faktor-Authentifizierung für den Backup-Zugriff
- Versionierung: Mehrere Versionen für eine Wiederherstellung vor der Infektion
- Scanning: Antimalware auf Backups vor der Wiederherstellung
- Warnmeldungen: Erkennung von Massenänderungen (mögliche Verschlüsselung)
Disaster Recovery Planning
- DR Site: Sekundäres Rechenzentrum oder Cloud-Region
- Failover Automation: Skripte oder automatische Orchestrierung
- Runbooks: Schritt-für-Schritt-Dokumentation der Wiederherstellung
- Priorisierung: Wiederherstellungsreihenfolge basierend auf der Kritikalität
- Abhängigkeiten: Karte der gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen Systemen
- Network Configuration: DNS, VPN, firewall rules für DR
- Communication Plan: Stakeholder, Kunden, Team
Wiederherstellungstests
Testarten (mindestens jährlich durchführen):
- Tabletop Exercise: Theoretische Besprechung des Plans ohne Ausführung
- Restore Testing: Wiederherstellung von Samples in einer isolierten Umgebung
- Partial Failover: Failover nicht kritischer Systeme
- Full DR Test: Vollständiges Failover (in der Regel in einem maintenance window)
- Chaos Engineering: Absichtlich eingespeiste Ausfälle
Wichtig: Ein ungetestetes Backup ist kein Backup. Fehler werden im Moment des Bedarfs entdeckt, wenn es keine regelmäßigen Tests gibt.
Best Practices
- [OK] Die 3-2-1-1-0-Regel umsetzen
- [OK] Klare RTO/RPO pro System definieren
- [OK] Unveränderliche Backups zum Schutz vor Ransomware
- [OK] Vierteljährliche Wiederherstellungstests
- [OK] Überwachung und Alarmierung bei Backup-Fehlern
- [OK] Verschlüsselung der Backups (at rest und in transit)
- [OK] Aktuelle Dokumentation der Runbooks
- [OK] Trennung der Berechtigungen (backup admin ≠ domain admin)
- [OK] Aufbewahrung gemäß Compliance (LGPD, SOX usw.)
- [OK] Geografisch verteilter DR-Standort
